Ja, Sie sollten vor dem Auftragen der Betäubungscreme duschen. Waschen Sie die Stelle mit lauwarmem Wasser und einer milden, rückfettungsfreien Seife, trocknen Sie sie gründlich ab und tragen Sie danach nichts mehr auf: keine Bodylotion, kein Öl, kein Deo auf der Tattoo-Stelle. Nur auf sauberer, fettfreier und trockener Haut hat die Creme direkten Kontakt zur Haut und kann ihre Wirkung entfalten. Was das konkret für Rasur, Feuchtigkeitscreme, Sauna und Selbstbräuner bedeutet, lesen Sie hier Schritt für Schritt.
Kurz gesagt
- Duschen ja: lauwarm, mit milder Seife, danach vollständig abtrocknen. Die Haut muss trocken sein, bevor die Creme draufkommt.
- Haut fettfrei halten: Am Termintag keine Lotionen, Öle oder Feuchtigkeitscremes auf die Stelle, die tätowiert oder behandelt wird.
- Rasieren am Vortag: So hat die Haut Zeit, sich zu beruhigen. Frisch gereizte oder verletzte Haut ist keine gute Grundlage.
- Sauna, heißes Bad und Selbstbräuner weglassen: Die Haut soll zum Termin ruhig, ungereizt und in ihrem natürlichen Zustand sein.
- Absprechen: Sagen Sie Ihrem Tätowierer oder Ihrer PMU-Spezialistin vorab, dass Sie eine Betäubungscreme verwenden.
Inhaltsverzeichnis
- Warum die Vorbereitung über die Wirkung entscheidet
- Duschen vor der Betäubungscreme: so geht es richtig
- Haut entfetten: was nötig ist und was zu viel ist
- Feuchtigkeitscreme vor der Betäubungscreme weglassen
- Rasieren vor der Betäubungscreme: am besten am Vortag
- Sauna, heißes Bad und Sonne vor dem Termin
- Selbstbräuner und Betäubungscreme
- Ihr Zeitplan vom Vorabend bis zum Termin
- Nach der Dusche: Creme auftragen und einwirken lassen
- Unsere Sicht aus der Praxis
- Die passende Betäubung für Ihren Termin
- Häufige Fragen
- Quellen
Warum die Vorbereitung über die Wirkung entscheidet
Eine Betäubungscreme wirkt nicht auf der Hautoberfläche, sondern darunter. Nach der Bewertung der Europäischen Arzneimittel-Agentur werden die Wirkstoffe lokal wirkender Betäubungscremes in Epidermis und Dermis freigesetzt, wo sie an den Nervenenden die Weiterleitung von Schmerzreizen unterbrechen. Damit die Wirkstoffe dort ankommen, braucht die Creme vollen Kontakt zur Haut.
Genau hier setzt die Vorbereitung an. Ein Film aus Hautfett, Lotion, Sonnencreme oder Schweiß liegt wie eine Zwischenschicht auf der Haut. Die Creme sitzt dann auf diesem Film statt auf Ihrer Haut. Das Ergebnis: eine ungleichmäßige Betäubung, Stellen, die früher wieder empfindlich werden, und ein Termin, der anstrengender wird als nötig.
Dass saubere, trockene Haut die Grundregel ist, zeigt sich auch in der Medizin. Selbst für ein ärztlich angewendetes Wirkstoffpflaster wie Qutenza verlangt die Fachinformation, die Behandlungsfläche mit Wasser und Seife zu waschen und abzutrocknen. Die Haut soll dabei unverletzt, nicht gereizt und trocken sein. Dieses Dreiergespann ist ein guter Maßstab für alles, was Sie vor Ihrem Tattoo- oder PMU-Termin tun.

Duschen vor der Betäubungscreme: so geht es richtig
Die Dusche ist der einfachste und wichtigste Schritt. Am besten duschen Sie, kurz bevor Sie die Creme auftragen. Wer die Creme zu Hause aufträgt und dann zum Studio fährt, duscht also direkt davor.
Wassertemperatur und Seife
Duschen Sie lauwarm statt heiß. Sehr heißes Wasser lässt die Haut rot werden und reizt sie, vor allem an empfindlichen Stellen wie Innenarm, Rippen oder Knöchel. Lauwarmes Wasser reinigt genauso gründlich.
Bei der Seife gilt: so schlicht wie möglich. Gut geeignet sind:
- milde Seife oder ein Syndet ohne Duftstoffe,
- ein einfaches Duschgel ohne rückfettende Öle.
Weniger geeignet für die Tattoo-Stelle sind Duschöle, cremige Duschlotionen mit Pflegeölen, Peelings und Produkte mit starkem Parfüm. Duschöle und rückfettende Gele hinterlassen genau den Film, den Sie vermeiden wollen. Ein Peeling raut die Haut auf, und aufgeraute Haut ist gereizte Haut. Für den Rest des Körpers können Sie verwenden, was Sie mögen. Es geht nur um die Fläche, auf die die Creme kommt.
Gründlich abtrocknen
Nach dem Duschen tupfen Sie die Stelle mit einem sauberen Handtuch trocken, statt sie trocken zu reiben. Warten Sie dann ein paar Minuten, bis auch die Restfeuchte verflogen ist. Feuchte Haut verdünnt die Creme am Rand und lässt die Schicht ungleichmäßig werden. Fühlt sich die Haut kühl und vollkommen trocken an, sind Sie bereit.

Ein Tipp für die Praxis: Ziehen Sie nach dem Duschen locker sitzende, saubere Kleidung an. Enge Stoffe reiben über die Stelle, und frisch gewaschene Kleidung trägt keine Reste von Bodylotion vom Vortag auf die Haut.
Haut entfetten: was nötig ist und was zu viel ist
Tattoo-Studios betonen es immer wieder: Die Haut muss vor dem Auftragen der Betäubungscreme gründlich gereinigt und fettfrei sein, Lotionen und Öle sind tabu. Für die meisten Menschen reicht dafür die Dusche mit milder Seife völlig aus.
Mehr braucht es meist nur in zwei Fällen:
- Sehr fettige Haut, etwa im Gesicht vor einem Augenbrauen- oder Lippen-PMU oder am oberen Rücken. Hier können Sie die Stelle nach dem Duschen ein zweites Mal sanft mit Seife waschen, klar abspülen und trocknen.
- Rückstände von Sonnencreme oder wasserfestem Make-up. Diese lösen sich mit Wasser allein schlecht. Entfernen Sie sie vorher mit einem milden Reinigungsprodukt und waschen Sie danach mit Seife nach, damit kein Reiniger-Film zurückbleibt.
Von aggressiven Mitteln wie hochprozentigem Alkohol, Aceton oder Nagellackentferner auf der Haut raten wir ab. Sie trocknen die Haut aus und reizen sie. Das Desinfizieren der Haut direkt vor dem Stechen übernimmt ohnehin Ihr Tätowierer oder Ihre PMU-Spezialistin, nachdem die Creme entfernt wurde. Haben Sie zu Unreinheiten neigende Haut, finden Sie Hinweise in unserem Beitrag zur Betäubungscreme bei Aknehaut.
Feuchtigkeitscreme vor der Betäubungscreme weglassen
Am Termintag gehört keine Feuchtigkeitscreme auf die Stelle. Das gilt für Bodylotion, Körperöl, Tattoo-Pflegebalsam auf alten Tattoos in der Nähe und auch für Sonnencreme. All diese Produkte sollen auf der Haut einen schützenden Film bilden, und genau dieser Film steht zwischen Ihrer Haut und der Betäubungscreme.
Anders sieht es in den Tagen davor aus. Gut gepflegte, geschmeidige Haut ist für das Tätowieren angenehmer als trockene, schuppige Haut. Sie können die Stelle in der Woche vor dem Termin also ganz normal eincremen. Wichtig ist nur der Abstand: Cremen Sie spätestens am Abend vor dem Termin zum letzten Mal ein und duschen Sie am Termintag, bevor Sie die Betäubungscreme auftragen. So ist die Haut gepflegt, aber am entscheidenden Moment frei von Rückständen.
Rasieren vor der Betäubungscreme: am besten am Vortag
Haare stören in zweifacher Hinsicht. Sie halten die Creme von der Haut fern, und sie erschweren das spätere Abdecken mit Folie. Deshalb sollte die Stelle haarfrei sein, bevor Sie die Creme auftragen.
Der beste Zeitpunkt ist der Vortag. Eine Rasur hinterlässt oft winzige Kratzer, leichte Rötungen oder Rasurbrand, auch wenn man sie nicht sofort sieht. Über Nacht beruhigt sich die Haut. Rasieren Sie dagegen direkt vor dem Auftragen, trifft die Creme auf frisch gereizte Haut. Da die Haut für die Anwendung unverletzt und nicht gereizt sein soll, ist die Rasur unmittelbar davor die schlechtere Wahl.
So rasieren Sie schonend:
- Verwenden Sie eine neue, scharfe Klinge. Stumpfe Klingen ziehen und reizen mehr.
- Rasieren Sie in Wuchsrichtung, nicht dagegen.
- Nutzen Sie ein mildes Rasiergel ohne Menthol oder Alkohol und spülen Sie es gründlich ab.
- Lassen Sie am Termintag After-Shave, Öl und Lotion auf der Stelle weg.
Sprechen Sie die Rasur kurz mit Ihrem Studio ab. Viele Tätowierer rasieren die Fläche selbst. Wenn Sie eine Betäubungscreme nutzen, ist es aber sinnvoll, das schon vorher zu erledigen, damit die Creme zu Hause auf glatter Haut einwirken kann. Treten nach der Rasur Pickel, Schnitte oder entzündete Haarwurzeln auf, tragen Sie die Creme dort nicht auf und zeigen Sie die Stelle Ihrem Tätowierer. Wie Sie die Haut vor dem Auftragen genau ansehen, beschreibt unser Leitfaden Haut vor dem Eingriff richtig prüfen.
Sauna, heißes Bad und Sonne vor dem Termin
Sauna, Dampfbad, heiße Wannenbäder und lange Sonnenbäder haben eines gemeinsam: Sie lassen die Haut warm, gerötet und stärker durchblutet zurück. Das ist genau das Gegenteil der ruhigen, ungereizten Haut, die Sie zum Termin mitbringen wollen. Hinzu kommt, dass Sie nach der Sauna stark nachschwitzen, und Schweiß auf der Haut stört den Kontakt der Creme ebenso wie Lotion.
Planen Sie deshalb Sauna und heißes Baden nicht für den Termintag ein, und auch nicht für den Abend davor, wenn Ihre Haut nach Wärme lange gerötet bleibt. Ein Sonnenbrand auf der Fläche ist ohnehin ein Grund, den Termin zu verschieben: Verbrannte Haut ist verletzte Haut, und darauf gehören weder Betäubungscreme noch Nadel. Klären Sie das in diesem Fall direkt mit Ihrem Studio.
Auch Sport kurz vor dem Auftragen ist ungünstig, wenn Sie danach nicht mehr duschen. Wer am Morgen trainieren möchte, duscht danach, lässt die Haut abkühlen und trägt erst dann die Creme auf.
Selbstbräuner und Betäubungscreme
Selbstbräuner auf der Tattoo- oder PMU-Fläche lassen Sie vor dem Termin besser weg. Er bildet eine Schicht auf der obersten Hautschicht, die sich nicht einfach abwaschen lässt. Wie gut die Betäubungscreme durch eine solche Schicht hindurch wirkt, lässt sich nicht verlässlich sagen, und der Aufwand lohnt sich nicht.
Es gibt noch einen zweiten Grund, der mit der Creme gar nichts zu tun hat: Ihr Tätowierer oder Ihre PMU-Spezialistin muss Ihren echten Hautton sehen. Bei Farbtattoos, Schattierungen und vor allem bei Augenbrauen- und Lippenpigmentierung wird die Farbe auf Ihren Hautton abgestimmt. Ein künstlicher Bräunungston verfälscht dieses Bild, und Farbreste können sich mit der Desinfektion vermischen.
Haben Sie schon Selbstbräuner aufgetragen, sagen Sie es Ihrem Studio rechtzeitig. Bis zum Termin sollte die Bräune weitgehend abgeklungen sein. Ein grobes Peeling kurz vor dem Termin ist dafür keine Lösung, weil es die Haut reizt.
Ihr Zeitplan vom Vorabend bis zum Termin
| Zeitpunkt | Was Sie tun | Was Sie weglassen |
|---|---|---|
| Woche vor dem Termin | Haut normal eincremen, viel trinken | Sonnenbrand, Selbstbräuner auf der Stelle |
| Vorabend | Stelle rasieren, letztes Eincremen, Termin-Zeit für die Creme planen | Sauna, heißes Bad, Rasur direkt vor dem Termin |
| Termintag, vor dem Auftragen | Lauwarm duschen, milde Seife, gründlich trockentupfen | Bodylotion, Öl, Deo, Sonnencreme, After-Shave auf der Stelle |
| Auftragen | Creme dick und gleichmäßig auftragen, mit Folie abdecken | Reiben, dünnes Verstreichen, feuchte Haut |
| Kurz vor dem Stechen | Folie und Creme abnehmen, Studio desinfiziert | Creme selbst wieder einmassieren |
Die Uhrzeit fürs Auftragen rechnen Sie vom Termin aus rückwärts. Die Einwirkzeit liegt je nach Produkt zwischen 45 Minuten und 2 Stunden. Halten Sie sich an die Angaben Ihres Produkts, und planen Sie die Dusche davor mit ein. Wie lange die Wirkung danach anhält und wie Sie lange Sitzungen aufteilen, erklärt unser Beitrag zur Wirkdauer der Betäubungscreme.
Nach der Dusche: Creme auftragen und einwirken lassen
Ist die Haut sauber und trocken, folgt das Auftragen. Drei Punkte machen dabei den Unterschied:
- Dicke Schicht statt dünnem Film. Für Betäubungscremes wird eine homogene Schicht von etwa 2 bis 3 mm empfohlen. Verteilen Sie die Creme, ohne sie einzumassieren.
- Mit Frischhaltefolie abdecken. Die Folie hält die Creme feucht und an Ort und Stelle. Wie Sie die Folie richtig anlegen, zeigt unser Ratgeber zur Okklusion mit Betäubungscreme.
- Rechtzeitig entfernen. Kurz vor dem Stechen nehmen Sie oder Ihr Tätowierer Folie und Creme mit einem weichen Tuch ab. Danach desinfiziert das Studio die Haut wie gewohnt.
Achten Sie während der Einwirkzeit auf Ihre Haut. Treten innerhalb weniger Minuten ungewöhnliche Rötung, Schwellung oder Brennen auf, entfernen Sie die Creme und fahren nicht fort, so der Rat erfahrener Tätowierer. Sind Sie schwanger, stillen Sie, haben Sie Herzerkrankungen, eine bekannte Allergie gegen Lokalanästhetika oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente, klären Sie die Anwendung vorher mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder in der Apotheke. Für Diabetiker haben wir eigene Hinweise zusammengestellt: Tattoo und Betäubungscreme bei Diabetes. Die vollständige Anleitung finden Sie unter Betäubungscreme vor dem Tattoo richtig auftragen.
Unsere Sicht aus der Praxis
Wir hören oft, dass eine Betäubungscreme „nicht gewirkt“ hat. Wenn wir dann nachfragen, stellt sich fast immer heraus, dass es an der Vorbereitung lag: Bodylotion vom Morgen, Duschöl, eine Rasur fünf Minuten vor dem Auftragen oder eine viel zu dünne Schicht ohne Folie. Die Creme kann nur so gut wirken, wie die Haut darunter vorbereitet ist.
Deshalb erklären wir die Anwendung unserer Produkte ausführlich, und deshalb setzen wir bei unseren Cremes auf eine wasserbasierte Formel. Sie ist so konzipiert, dass sie den Heilungsprozess des Tattoos nicht beeinträchtigt, und lässt sich nach der Einwirkzeit sauber abnehmen, sodass das Studio direkt desinfizieren und loslegen kann.
Unser Rat an alle, die zum ersten Mal betäuben: Behandeln Sie die Vorbereitung wie einen Teil des Termins. Duschen, trocknen, nichts mehr auftragen, dick eincremen, abdecken, Zeit einplanen. Und sprechen Sie mit Ihrem Tätowierer. Wenn alle Bescheid wissen, wird die Sitzung für beide Seiten entspannter.
mamradkerky
Die passende Betäubung für Ihren Termin
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Häufige Fragen
Darf ich direkt nach dem Duschen die Betäubungscreme auftragen?
Ja, sobald die Haut vollständig trocken ist. Tupfen Sie die Stelle ab und warten Sie ein paar Minuten, bis keine Restfeuchte mehr spürbar ist. Nach einer sehr heißen Dusche lassen Sie die Haut zusätzlich abkühlen, bis die Rötung abgeklungen ist.
Kann ich am Morgen vor dem Termin noch Bodylotion benutzen?
Auf der Stelle, die tätowiert oder pigmentiert wird, nicht. Lotion hinterlässt einen Film, der zwischen Haut und Creme liegt. Auf dem restlichen Körper können Sie sie verwenden, achten Sie nur darauf, dass nichts auf die Fläche gelangt.
Was mache ich, wenn ich mich erst am Termintag rasieren kann?
Rasieren Sie möglichst früh am Tag, sehr schonend mit neuer Klinge in Wuchsrichtung, und duschen Sie danach. Gibt es kleine Schnitte oder deutliche Rötungen, tragen Sie dort keine Creme auf und sprechen Sie mit Ihrem Tätowierer, bevor es losgeht.
Muss mein Tätowierer wissen, dass ich Betäubungscreme nutze?
Ja, sagen Sie es vorher. Ihr Tätowierer kann so den Ablauf planen, die Creme zum richtigen Zeitpunkt entfernen und die Haut vor dem Stechen wie gewohnt desinfizieren. Offene Absprache sorgt für einen entspannten Termin.
Wie lange vorher sollte ich die Creme auftragen?
Das hängt vom Produkt ab, üblich sind zwischen 45 Minuten und 2 Stunden Einwirkzeit. Rechnen Sie vom Termin rückwärts und planen Sie die Dusche davor ein. Die genauen Angaben finden Sie in der Anleitung Ihres Produkts.
Quellen
EMA: Qutenza, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels EMA: EMLA cream, Article-30 referral assessment report Face2Face Tattoo: Betäubungscreme für Tattoos Elos Klinik: Anwendung von Emla-Creme
