Lidocain und Prilocain sind enge Verwandte: Beide sind Lokalanästhetika vom Amid-Typ, beide blockieren die Schmerzleitung in den Nerven, und beide halten etwa gleich lange an. Der wichtigste Unterschied liegt in der Sicherheit. Lidocain ist der vielseitige Standardwirkstoff für Haut, Schleimhaut und Injektion. Prilocain erweitert die Gefäße weniger und gilt im Körper als weniger giftig, kann aber bei großflächiger Anwendung eine Methämoglobinämie auslösen, also eine Störung des Sauerstofftransports im Blut. Auf der Haut sind die beiden am stärksten als Team: Gemischt dringen sie deutlich besser durch intakte Haut als jeder Wirkstoff allein. Hier lesen Sie, was das für Ihr Tattoo, Ihre PMU-Behandlung oder die Arbeit in Ihrem Studio bedeutet.
Kurz gesagt
- Gleiche Familie, andere Stärken: Lidocain ist der Allrounder für Haut, Schleimhaut und Injektion. Prilocain erweitert die Gefäße weniger und gilt als weniger toxisch.
- Das Sonderrisiko von Prilocain ist die Methämoglobinämie. Sie droht vor allem, wenn sehr viel Creme auf große Hautflächen kommt oder zu lange einwirkt.
- Auf der Haut wirkt die Mischung am besten: Eine Creme mit 2,5 % Lidocain und 2,5 % Prilocain erreicht ihre volle Wirkung nach 30 bis 60 Minuten unter Folie.
- Mehr Creme bringt nicht mehr Betäubung. Eine dickere Schicht, eine längere Einwirkzeit oder frisch rasierte, gereizte Haut erhöhen vor allem das Risiko.
- Für Tattoo und PMU zählt die Fläche: Je größer das Motiv, desto genauer sollten Sie Menge, Fläche und Einwirkzeit planen.
Inhaltsverzeichnis
- Was die beiden Wirkstoffe gemeinsam haben
- Der Vergleich auf einen Blick
- Lidocain: der vielseitige Standard
- Prilocain: weniger Gefäßerweiterung, ein besonderes Risiko
- Warum die Mischung auf der Haut so gut wirkt
- Methämoglobinämie: das Risiko, das Sie kennen sollten
- Was das für Tattoo, PMU und Laser bedeutet
- Worauf Studios und PMU-Profis achten sollten
- Unsere Sicht: Der Wirkstoff ist nur die halbe Antwort
- Betäubung von TKTX für Ihre nächste Sitzung
- Häufige Fragen
- Quellen
Was die beiden Wirkstoffe gemeinsam haben
Lokalanästhetika werden nach ihrer chemischen Bindung in zwei Gruppen eingeteilt: Ester und Amide. Lidocain und Prilocain gehören beide zu den Amid-Lokalanästhetika. Dazu zählen auch die meisten Mittel, die Sie aus der Zahnarztpraxis kennen. Ein Übersichtsartikel zur Lokalanästhesie in der Zahnmedizin beschreibt, dass sich moderne Lokalanästhetika vor allem über diese Amid- oder Esterbindung unterscheiden.
Das Wirkprinzip ist bei beiden gleich. Der Wirkstoff blockiert vorübergehend die Natriumkanäle in der Nervenmembran. Das Schmerzsignal von der Nadel kommt dann nicht mehr im Gehirn an. Sie spüren Druck und Vibration oft noch, das Stechen und Brennen aber deutlich weniger. Sobald der Körper den Wirkstoff abtransportiert und abbaut, kehrt das Gefühl zurück.
Beide zählen zu den mittellang wirksamen Lokalanästhetika. In der Praxis heißt das: Die Wahl zwischen ihnen hängt weniger von der Wirkdauer ab als davon, wo und wie viel davon angewendet wird.
Der Vergleich auf einen Blick
| Merkmal | Lidocain | Prilocain |
|---|---|---|
| Wirkstoffgruppe | Amid-Lokalanästhetikum | Amid-Lokalanästhetikum |
| Typischer Einsatz | Oberfläche (Haut, Schleimhaut), Infiltration, Nervenblockade | Infiltration, Zahnmedizin, Nervenblockade, in Kombination auf der Haut |
| Wirkung auf die Gefäße | erweitert die Gefäße, wird daher oft mit Adrenalin kombiniert | erweitert die Gefäße deutlich weniger |
| Toxizität im Körper | gering, bei Überdosierung Wirkung auf Nervensystem und Herz | gilt als niedriger, aber Risiko der Methämoglobinämie |
| Besondere Vorsicht | große Mengen, Schleimhäute, Herzerkrankungen | Säuglinge, G6PD-Mangel, große Flächen, lange Einwirkzeit |
| Allein auf intakter Haut | dringt als Einzelwirkstoff schlecht ein | dringt als Einzelwirkstoff schlecht ein |
| Als Mischung 1:1 auf der Haut | wirkt gut, volle Wirkung nach 30 bis 60 Minuten | wirkt gut, volle Wirkung nach 30 bis 60 Minuten |
Die Tabelle fasst zusammen, was die medizinische Literatur zu beiden Wirkstoffen beschreibt. Die Details stehen in den folgenden Abschnitten.
Lidocain: der vielseitige Standard
Lidocain ist der Wirkstoff, den Ärztinnen, Zahnärzte und Rettungsdienste am häufigsten kennen. Ein Fachlexikon bezeichnet Lidocain als Mittel der ersten Wahl für Oberfläche und Injektion, weil es gute Wirkung mit vergleichsweise geringer Toxizität verbindet. Die Halbwertszeit im Körper liegt dort bei etwa 1,5 Stunden.
Seine Stärken:
- Vielseitig: als Spray oder Gel auf Schleimhäuten, als Creme auf der Haut, als Injektion unter die Haut oder an einen Nerv.
- Gut erforscht: Die Dosierungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind seit Jahrzehnten dokumentiert.
- Schneller Wirkeintritt auf Schleimhaut und bei Injektion.
Seine Schwäche: Lidocain erweitert die Blutgefäße. Das Blut transportiert den Wirkstoff dann schneller ab, die Betäubung lässt früher nach. Deshalb wird Lidocain in der Zahnmedizin und Chirurgie häufig mit Adrenalin kombiniert, das die Gefäße verengt. Ein Fachbeitrag zu Lokalanästhetika beschreibt diese Unterschiede in der Gefäßwirkung zwischen den einzelnen Wirkstoffen.
Bei einer Überdosierung wirkt Lidocain vor allem auf das zentrale Nervensystem und das Herz. Frühe Warnzeichen sind Kribbeln um den Mund, ein metallischer Geschmack, Ohrensausen und Schwindel. Bei einer Creme auf kleiner Fläche ist das sehr unwahrscheinlich, bei großen Flächen und dicken Schichten aber nicht ausgeschlossen.
Prilocain: weniger Gefäßerweiterung, ein besonderes Risiko
Prilocain ist chemisch eng mit Lidocain verwandt, verhält sich im Körper aber anders. Es erweitert die Gefäße deutlich weniger und gilt als weniger toxisch für Nervensystem und Herz. Deshalb wird es gern für Nervenblockaden und in der Zahnmedizin eingesetzt, besonders wenn Adrenalin nicht gegeben werden soll.
Wie die beiden im direkten Vergleich abschneiden, hat unter anderem eine Studie mit 2 % Lidocain und 3 % Prilocain bei Zahnextraktionen im Oberkiefer untersucht: je 46 Patientinnen und Patienten pro Gruppe, gemessen wurden Wirkeintritt und Injektionsschmerz. Beide Mittel betäubten zuverlässig. Prilocain kann in manchen Geweben etwas schneller wirken, der Unterschied ist für die Praxis aber klein. Auch bei der Versorgung von Platzwunden wurde 2 % Prilocain mit 1 % Lidocain verglichen, dort ging es vor allem um den Schmerz beim Spritzen.

Der entscheidende Unterschied ist ein Stoffwechselrisiko. Beim Abbau von Prilocain entstehen Stoffe, die den roten Blutfarbstoff Hämoglobin oxidieren. Das veränderte Hämoglobin heißt Methämoglobin und kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Die Fachliteratur beschreibt, dass Prilocain gerade deshalb zwar als weniger toxisch gilt, aber eine genaue Beobachtung auf Methämoglobin-Symptome verlangt. Sein Vorteil hängt also davon ab, wer es bekommt und wie viel.
Warum die Mischung auf der Haut so gut wirkt
Wer nach „Prilocain oder Lidocain“ für eine Betäubungscreme sucht, stößt schnell auf eine Antwort, die beide enthält. Das hat einen physikalischen Grund.
Als reine Kristalle dringen beide Wirkstoffe kaum durch die intakte Hornhaut. Mischt man sie aber im Verhältnis 1:1, entsteht ein sogenanntes eutektisches Gemisch. Laut der US-Fachinformation einer Lidocain-Prilocain-Creme liegt dessen Schmelzpunkt unter Raumtemperatur. Die beiden Wirkstoffe sind dann ein Öl statt eines Pulvers und können in hoher Konzentration in die Haut einziehen.
In den bekannten Arzneimittel-Cremes stecken je 2,5 % Lidocain und 2,5 % Prilocain, das sind 25 mg pro Gramm. Die Europäische Arzneimittel-Agentur beschreibt diese Zusammensetzung als Öl-in-Wasser-Emulsion mit gleichen Gewichtsanteilen beider Wirkstoffe. Unter einer luftdichten Folie erreicht die Creme auf intakter Haut ihre volle Wirkung nach 30 bis 60 Minuten.
Für Sie heißt das: Die Frage „Prilocain oder Lidocain“ stellt sich bei Cremes oft gar nicht als Entweder-oder. Wichtiger ist, welche Darreichungsform Sie wofür nutzen:
- Creme für intakte Haut vor dem ersten Stich. Sie braucht Einwirkzeit und eine Abdeckung.
- Spray oder Gel für Bereiche, die schnell betäubt werden sollen, oder für die Nachbetäubung während der Sitzung. Wirkstoffe auf Schleimhaut und bereits geöffneter Haut werden anders aufgenommen als auf intakter Haut. Darauf lässt sich die Erfahrung mit Cremes nicht einfach übertragen.
Methämoglobinämie: das Risiko, das Sie kennen sollten
Das Wort klingt nach Labor, das Problem ist aber sehr praktisch. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat Fälle aus Kosmetik- und Laserbehandlungen ausgewertet und beschreibt, dass große Mengen Lidocain-Prilocain-Creme zu schweren Komplikationen führen können. Die Schwellen laut Swissmedic:
| Methämoglobin im Blut | Was passiert |
|---|---|
| ab etwa 15 % | erste Symptome: bläuliche Lippen und Finger (Zyanose), Kopfschmerz, Schwindel |
| über 40 % | schwere Symptome: Benommenheit, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit |
| 70 bis 80 % | lebensbedrohlich |
Besonders gefährdet sind laut Swissmedic Säuglinge und Menschen mit einem angeborenen Mangel des Enzyms Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD-Mangel). Tückisch ist der Zeitpunkt: Die Symptome können erst Stunden nach dem Auftragen einsetzen, wenn Sie das Studio längst verlassen haben.
Die EMA hat in ihrem Bewertungsbericht zu Lidocain-Prilocain-Cremes einen typischen Auslöser benannt: In Kosmetik- und Schönheitseinrichtungen wurde die Creme teils auf 30 bis 40 % der Körperoberfläche aufgetragen. Damit wird aus einer örtlichen Betäubung eine Belastung für den ganzen Körper.
Wenn Sie nach dem Auftragen bläuliche Lippen oder Fingernägel, Atemnot, starken Schwindel oder Verwirrtheit bemerken, entfernen Sie die Creme sofort und rufen Sie den Notruf 112. Sagen Sie dort, welches Produkt Sie wie großflächig aufgetragen haben.

Was das für Tattoo, PMU und Laser bedeutet
Für die meisten Tattoos und PMU-Behandlungen ist die betäubte Fläche klein, das Risiko entsprechend gering. Kritisch wird es bei großen Projekten: Rückenstücke, Sleeves, mehrere Bereiche an einem Tag oder Laserentfernungen über große Flächen. Diese Schritte senken das Risiko, egal welcher Wirkstoff in Ihrer Creme steckt:
- Inhaltsstoffe lesen. Prüfen Sie auf der Verpackung, ob Lidocain, Prilocain oder beide enthalten sind. Wenn Sie G6PD-Mangel haben oder Medikamente nehmen, die ebenfalls Methämoglobin bilden können, klären Sie die Anwendung vorher mit Ihrer Hausärztin oder in der Apotheke.
- Haut prüfen. Tragen Sie Creme nur auf intakte Haut auf. Auf frisch rasierter, gereizter oder verletzter Haut nimmt der Körper deutlich mehr Wirkstoff auf. Die Gebrauchsinformation einer Lidocain-Prilocain-Creme nennt die genauen Anwendungsgrenzen. Wie Sie Ihre Haut richtig einschätzen, zeigt unser Ratgeber zum Haut prüfen vor dem Eingriff. Rasieren Sie am besten schon am Vortag.
- Fläche begrenzen. Betäuben Sie nur das Areal, an dem tatsächlich gestochen wird. Bei großen Motiven teilen Sie die Sitzung lieber auf, statt alles auf einmal einzucremen.
- Dünn statt dick. Eine gleichmäßige Schicht nach Herstellerangabe reicht. Eine doppelte Menge bringt keine doppelte Betäubung.
- Einwirkzeit einhalten. Die volle Wirkung kommt nach 30 bis 60 Minuten unter Folie. Länger einwirken lassen verbessert die Wirkung kaum, erhöht aber die Aufnahme in den Körper. Wie lange die Taubheit danach anhält, erklären wir unter Betäubungscreme Wirkdauer.
- Abnehmen und reinigen. Vor dem ersten Stich wird die Creme vollständig entfernt und die Haut desinfiziert. Die einzelnen Schritte finden Sie in unserer Anleitung zum Betäubungscreme richtig auftragen.
- Auf sich achten. Planen Sie nach großen Sitzungen keine Autofahrt allein und achten Sie auch in den Stunden danach auf die oben genannten Warnzeichen.
Für sehr empfindliche Stellen wie Rippen, Füße oder Intimbereich gelten eigene Regeln, weil die Haut dort dünner ist. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu empfindlichen Körperstellen. Wer zu Akne neigt, findet Hinweise unter Betäubungscreme bei Aknehaut, und Menschen mit Diabetes sollten unseren Beitrag zu Tattoo-Betäubung bei Diabetes lesen.
Worauf Studios und PMU-Profis achten sollten
Im Studio sehen Sie viele Kundinnen und Kunden pro Woche, oft mit selbst gekaufter Creme. Drei Punkte verdienen dabei mehr Aufmerksamkeit als die Wahl zwischen Lidocain und Prilocain:
- Vorgespräch: Fragen Sie nach Medikamenten, bekannten Blutkrankheiten, Schwangerschaft und früheren Reaktionen auf Betäubungsmittel. Bei Unsicherheit verweisen Sie an eine Ärztin oder einen Arzt, bevor betäubt wird.
- Fläche und Dauer dokumentieren: Notieren Sie, wie groß die betäubte Fläche war, wann die Creme aufgetragen und wann sie entfernt wurde. Das hilft im Ernstfall dem Rettungsdienst und schützt Sie.
- Nachbetäubung bewusst einsetzen: Spray oder Gel auf bereits gestochener Haut wird schneller aufgenommen. Setzen Sie es sparsam und nur auf das aktuelle Arbeitsfeld.
Auch die Frage, ob Betäubungsmittel die Farbaufnahme beeinflussen, kommt im Studio häufig auf. Wir haben sie im Beitrag zu Tätowierfarbe und Betäubungscreme ausführlich beantwortet.
Unsere Sicht: Der Wirkstoff ist nur die halbe Antwort
Wir beraten Tattoo-Studios, PMU-Spezialistinnen und Privatkunden jeden Tag, und die Frage „Lidocain oder Prilocain?“ kommt oft. Unsere ehrliche Antwort: Für eine gute, sichere Betäubung entscheidet die Anwendung mehr als der Name des Wirkstoffs. Die meisten Probleme, von denen wir hören, entstehen nicht durch das falsche Produkt, sondern durch zu viel davon, auf zu großer Fläche, auf frisch rasierter Haut oder viel zu lange unter der Folie.
Deshalb führen wir Cremes in verschiedenen Wirkstärken, dazu Spray und Gel für unterschiedliche Situationen, und erklären bei jedem Produkt genau, wie es angewendet wird. Unsere Cremes sind wasserbasiert, damit sie den Heilungsprozess des Tattoos nicht beeinträchtigen. Und wir verkaufen ausschließlich Originalware, denn bei einem Produkt, das in die Haut einzieht, wollen Sie sich auf das verlassen können, was auf der Verpackung steht.
Unser Rat: Wählen Sie die niedrigste Stärke, die für Ihre Stelle und Ihr Schmerzempfinden reicht. Betäuben Sie nur die Fläche, die heute gestochen wird. Und wenn Sie eine Vorerkrankung haben, sprechen Sie zuerst mit Ihrer Ärztin. Eine Sitzung lässt sich verschieben, Ihre Gesundheit hat Vorrang.
— mamradkerky
Betäubung von TKTX für Ihre nächste Sitzung
Wenn Sie Ihre nächste Sitzung planen, finden Sie alle Produkte in unserem Shop für Betäubungscreme, Spray und Gel. Für die Vorbereitung vor dem ersten Stich gibt es die Rote TKTX Betäubungscreme 40%. Für die Nachbetäubung während längerer Sitzungen eignen sich das TKTX Betäubungsspray und das TKTX Betäubungsgel, beide ab 17,90 €. Danach unterstützt die Natürliche Tattoo Butter für 9,90 € die Regeneration der Haut. Wir liefern in 2 bis 3 Werktagen, ab 49 € versandkostenfrei.
Häufige Fragen
Was ist stärker, Lidocain oder Prilocain?
In üblichen Konzentrationen betäuben beide ähnlich zuverlässig, und ihre Wirkdauer liegt im gleichen Bereich. Prilocain kann in manchen Geweben etwas schneller wirken, Lidocain ist vielseitiger einsetzbar. Auf intakter Haut wirkt die 1:1-Mischung aus beiden besser als jeder Wirkstoff allein.
Welche Wirkung hat Prilocain?
Prilocain blockiert wie Lidocain die Schmerzleitung in den Nerven und betäubt dadurch örtlich. Es erweitert die Gefäße weniger und gilt als weniger toxisch für Herz und Nervensystem. Bei großen Mengen kann es jedoch eine Methämoglobinämie auslösen, die den Sauerstofftransport im Blut stört.
Ist eine Lidocain-Prilocain-Creme beim Tattoo gefährlich?
Auf einer kleinen Fläche intakter Haut und nach Anleitung angewendet, ist das Risiko gering. Gefährlich wird es, wenn sehr große Körperflächen eingecremt werden, die Creme zu lange einwirkt oder die Haut verletzt oder frisch rasiert ist. Bei bläulichen Lippen, Atemnot oder starkem Schwindel entfernen Sie die Creme und rufen den Notruf 112.
Wie lange muss die Creme vor dem Stechen einwirken?
Eine Creme mit Lidocain und Prilocain erreicht unter Folie nach 30 bis 60 Minuten ihre volle Wirkung. Längeres Einwirken bringt kaum mehr Betäubung, erhöht aber die Aufnahme in den Körper. Halten Sie sich an die Angabe auf Ihrer Packung.
Wer sollte auf Prilocain verzichten?
Vorsicht gilt bei Säuglingen und bei Menschen mit G6PD-Mangel oder anderen Blutkrankheiten, weil ihr Risiko für eine Methämoglobinämie erhöht ist. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, schwanger ist oder schon einmal auf ein Betäubungsmittel reagiert hat, klärt die Anwendung vorher mit Arzt oder Apotheke. Mögliche Nebenwirkungen fasst unser Ratgeber zu Nebenwirkungen von Betäubungscreme zusammen.
Quellen
- Local anaesthetics, Übersicht zu Wirkmechanismus und Wirkstoffen (PMC)
- Local Anaesthesia in Dentistry: A Review (PMC)
- Lidocaine/Prilocaine, Überblick (ScienceDirect Topics)
- 2 % Lidocain vs. 3 % Prilocain in der Kieferchirurgie (PMC)
- Prilocain vs. Lidocain bei der Versorgung von Platzwunden (PubMed)
- US-Fachinformation zur Creme mit 2,5 % Lidocain und 2,5 % Prilocain (FDA)
- EMA-Bewertungsbericht zur Lidocain-Prilocain-Creme (Artikel-30-Verfahren)
- Swissmedic Vigilance-News Juni 2011: Methämoglobinämie
- Gebrauchsinformation einer Lidocain-Prilocain-Creme (emc)
